Review „Horizontal transfer of microRNAs“ von Chen-Yu Zhang

Weil das Gebiet so spannend ist, hier gleich noch ein zusammenfassender Artikel von Zhang:

A new class of RNA regulatory genes known as microRNAs (miRNAs) has been found to introduce a whole new layer of gene regulation in eukaryotes. The intensive studies of the past several years have demonstrated that miRNAs are not only found intracellularly, but are also detectable outside cells, including in various body fluids (e.g. serum, plasma, saliva, urine and milk). This phenomenon raises questions about the biological function of such extracellular miRNAs. (…) These miRNAs may function as secreted signaling molecules to influence the recipient cell phenotypes. Furthermore, secreted extracellular miRNAs may reflect molecular changes in the cells from which they are derived and can therefore potentially serve as diagnostic indicators of disease. Several studies also point to the potential application of siRNA/miRNA delivery as a new therapeutic strategy for treating diseases. In this review, we summarize what is known about the mechanism of miRNA secretion. In addition, we describe the pathophysiological roles of secreted miRNAs and their clinical potential as diagnostic biomarkers and therapeutic drugs. We believe that miRNA transfer between cells will have a significant impact on biological research in the coming years.

Hier, bei Springer, ist das Paper ursprünglich zu Hause. Wer nach dem Titel googlet, findet aber sehr rasch, dass das pdf des Übersichtsartikels in China auch kostenlos zum Download bereitliegt… Oder hier.

Das Millionenmolekül GMI-1070

GMI-1070 als Drahtmodell auf dem Tisch von Beat Ernst
„GMI-1070“ als Drahtmodell auf dem Bürotisch von Beat Ernst.

An der Universität Basel hat der Chemiker Beat Ernst mit der Partnerfirma Glycomimetics in den USA einen Wirkstoff entwickelt, der hunderttausenden Patienten mit einer so genannten „Sichelzellenanämie“ Hoffnung macht auf Linderung ihrer Leiden. GMI-1070 hat darüber hinaus das Potenzial zu noch viel weitergehenden Anwendungen. Der weltgrösste Pharmakonzern Pfizer erwarb unlängst für insgesamt 340 Millionen Dollar das Recht, die Substanz bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.
Diese lukrative Zusammenarbeit von Hochschule und Konzern ist ein Lehrstück über Patente, Lizenzen und Geheimverträge. Sie zeigt exemplarisch Chancen und Risiken solcher Kooperationen.
Links: Paper über Wirkung von GMI-1070 im Tierversuch; Communiqué der Uni Basel; Communiqué GlycoMimetics; Beat Ernst.

Ganz leicht gekürzt heute gesendet in „Kontext“ auf DRS2.

Und hier, vorhin grad entdeckt, ein PR-Videointerview mit Rachel King, CEO der Uni-Partnerfirma GlycoMimetics, publiziert vom Standortmarketing des US-Bundesstaates Maryland:

Ernst Fehr: „we can make people more or less norm compliant“ mit TDCS

Believe it or not, but we can make people more or less norm compliant by up- or downregulating certain neural activities in the brain,“ erzählt der Zürcher Star-Oekonom Ernst Fehr seinem Interviewer Rolf Dobelli, und fährt fort „for this particular task we use what’s called ‚transcranial direct current stimulation‘ (tdcs). So there is a light, a modest current going through the brain,“ ab Position 1min27sec:

Also da nimmt einen doch schon sehr wunder, was das für ein Wunderding sein soll, das am Kopf montiert, Leute mehr oder weniger normkonform sein lasse, je nach dem ob der Strom in die eine oder andere Richtung „durch den Kopf“ fliesse, wie Fehr sagt. Hier ist ein sich sehr wissenschaftlich gebendes Erklärvideo dazu. Und da macht einer, durchaus ernst gemeinte, Selbstversuche mit der Sache:

„Selbstversuch“, denn die Maschine, von der Fehr schwärmt und ihr „Wunderkräfte“ auf das normrelevante Verhalten seiner Probanden zuschreibt, ist letztlich nicht viel mehr als eine 9 Volt Batterie, zwei salzwassergetränkte Schwämmchen, ein paar Drähte, ein paar Widerstände. Ein Schwämmchen über dem rechten Auge. Ein Schwämmchen hinten links auf dem Kopf. Strom auf 1 bis 2 Milliampère einstellen und fertig. Zu Deutsch heisst die Sache übrigens: „transkranielle Gleichstromstimulation“.

Auf den ersten Blick sagt mir meine Intuition: 2 Elektroden auf so etwas inhomogenem wie dem Kopf, plus extrem schwache 2 mA Gleichstrom und und dann soll da durch die Schädeldecke hindurch im Gehirn ein nachhaltiger, reproduzierbarer Effekt resultieren? Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Welche Pfade nehmen die Elektronen, wenn sie sich von der einen Elektrode lösen, in die Haut eindringen, und den Weg des geringsten Widerstandes zur anderen Elektrode suchen? Und nur wo sie durchkommen, können sie, oder ihr sie begleitendes Magnetfeld, irgend eine Wirkung entfalten. Wie viele Elektronen wie rasch unterwegs sind in der Kopfhaut und darunter, mögen andere berechnen.

Zwei, die sich schon lange und intensiv mit tdcs beschäftigen, und überzeugt sind, dass sie einen Effekt hat, sind die Göttinger Forscher Michael A. Nitsche und Walter Paulus. Sie schrieben 2007:

Da die Elektroden auf der Kopfhaut nicht direkt an der Hirnrinde anliegen, kommt es zu einer Abschwächung der intrakraniell erzielten Stromdichte. Hierbei beträgt die wirksame transkortikale Stromdichte etwa 50% der verabreichten transkraniellen Stromdichte (Rush u. Driscoll 1968). Eine Modellierung der durch die bipolare tDCS beim Menschen induzierten intrakortikalen Stromdichten zeigte, dass eine tDCS mit definierter Stromstärke (2 mA) und Verwendung von Schwammelektroden (25 cm2) kortikal eine Stromdichte in der Größenordnung von 0,1 µA/mm2 induziert (Miranda et al. 2006), was deutlich unter den induzierten Stromdichten am frei präparierten Kortex im Tierexperiment liegt. Das erzeugte elektrische Feld unter der Stimulationselektrode ist dieser Simulationsstudie nach homogen und die Feldstärke nimmt exponentiell mit der Distanz zur Elektrode ab. Dieses Modell berücksichtigte allerdings nicht die regionalen Inhomogenitäten in der Leitfähigkeit der Schädelkalotte und des Hirngewebes (Miranda et al. 2006; Rush u. Driscoll 1968). Im Bereich von Fissuren und Foramina kann es zu inhomogenen, fokal vergrößerten Feldstärken kommen. In diesen Bereichen ist deshalb tDCS zu vermeiden. Des Weiteren ist bisher unzureichend geprüft, wie sich die Feldstärke intrazerebral bei Gewebsübergängen, z. B. zwischen Liquor und Hirnrinde, verhält.

Asif Rahman, der sich am Departement of Biomedical Engineering der CUNY mit dem Effekt von Gleichstromfeldern auf die Synapsen in Rattenhirnen beschäftigt, kommt zum Schluss:

The application of uniform electric fields for long and short durations seem to have non-uniform effects that are dependent on many factors, including ongoing activity, orientation of the neurons to the applied field, and the the intrinsic cortical synaptic connections. Clearly field effects are more complicated than the traditional clinical dogma that „anodal increases excitability“ and „cathodal decreases excitability“.

It’s complicated! Das beruhigt mich. Und ich misstraue darum weiterhin Fehrs Aussage sehr, er könne die Normkonformität einer Person mit einer 9 Volt Batterie manipulieren! Die US-Armee hingegen würde ihm wahrscheinlich glauben, denn sie setzt tdcs ein als Doping für angehende Drohnenoperatoren.

P.S. Hier drüben runzelt der Autor des Blogs „the neurocritic“ die Stirn über einige Paper, die vor einem Monat am „Cognitive Neuroscience Society Meeting“ in Chicago präsentiert wurden. In den Kommentaren verlinkt ein anonymous zu einem anderen Blog, das mit dem Sensationalismus rund um ein aufgeblasenes tdcs-Paper hart ins Gericht geht.

Salicylsäure menschlichen Ursprungs

John R. Paterson, Gwendoline Baxter, Jacob S. Dreyer, John M. Halket, Robert Flynn und James R. Lawrence von der schottischen Dumfries and Galloway Royal Infirmary berichten als erste in einem Artikel, der Ende letzten Jahres erschienen ist im „Journal of Agricultural and Food Chemistry“ („Salicylic Acid sans Aspirin in Animals and Man: Persistence in Fasting and Biosynthesis from Benzoic Acid“), dass wir in unserem Körper Salicylsäure (salicylic acid, SA) produzieren. Das ist die aktive Komponente der Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin. Dass der Stoff im Immunsystem der Pflanzen eine wichtige Rolle spielt, ist bekannt. Einge geben ihn als Methyl-Salicylsäure sogar in die Athmosphäre ab, wenn sie unter Stress stehen.
James R. Lawrence hat mir zum Paper seiner Gruppe über die vom Menschen selbst produzierte Salicylsäure einige Fragen beantwortet:
– Where does your interest in SA in humans come from initially?
– What was the starting impulse to undertake this specific research?
– What are your best arguments for an at least partial endogenous SA production in man?
– How and where do we produce SA in our body?
– Why do we produce it?
– You postulate the necessity to reassess SAs role in human and animal pathophysiology. Where could be SAs position in a few years time, starting out from your findigs?
– How can I influence the SA level in my blood?
– Is there a „good“ and „healthy“ or a „bad“ and „dangerous“ level?
– How do vegetarians and carnivores differ in the SA-level in their blood?
– You publish your findings in the „journal of agricultural and food chemistry“. How do they relate to the focus of this publication?
– Any response to the paper from your audience already?
– What will be the practical consequence of your finding, that we do produce endogenous SA?
– What are your next questions in this field?
– What could be the possible relevance in oncology? Like: supressing tumor growth or other pathophysiolgical processes?
– How do you interpret the fact that the same chemical seems to play an important role in plants, animals and men?
Da sind seine Antworten (klick auf Dreieck):


Oder: Direktlink zum Audio.
Und da ist der fertige Beitrag zum Thema, wie er am 21.2.2009 über den Sender ging in „Wissenschaft DRS2„: