EFSA startet Reevaluation von BPA Bisphenol A

Die Europäische Nahrungsmittelsicherheitsbehörde EFSA hat heute bekanntgegeben, sie werde sich die Sache mit dem Bisphenol A bis Mai 2013 nochmals genau ansehen:

The European Food Safety Authority (EFSA) has started work on its new risk assessment of bisphenol A (BPA), used in food contact materials, focussing in particular on exposure of vulnerable groups. The new opinion will complement earlier scientific advice provided at the request of the European Commission. EFSA will review all the available data and scientific studies on dietary exposure published since its 2006 opinion on BPA and also take into consideration the contribution of non-dietary sources to overall exposure to BPA. Experts on EFSA’s Panel on Food Contact Materials, Enzymes, Flavourings and Processing Aids (CEF) will further evaluate uncertainties about the possible relevance to human health of some BPA-related effects observed in rodents at low dose levels. New findings from ongoing studies on low dose effects as well as on dietary and non-dietary exposure to BPA will be considered as they become available during 2012. EFSA is also convening a Colloquium of international experts to debate the most recent scientific evidence of low dose effects in toxicology and the challenges this poses for risk assessment.

(Communiqué auf D hier) Durchaus eine bemerkenswerte Entwicklung. Zudem beschäftigten sich die Behörden in mehreren europäischen Ländern in letzter Zeit vermehrt mit dem Thema. Die französische Nationalversammlung hatte am 12. Oktober 2011 mit 348 gegen 2 Stimmen ein Gesetz angenommen, das ab 2013 BPA in Behältern mit Lebensmitteln für Kinder unter drei Jahren verbietet und die Chemikalie ab 2014 aus sämtlichen Lebensmittel-Verpackungen verbannt. Und Schweden plant, mit Frankreich teilweise gleich zu ziehen. Auch dort soll BPA aus allem verschwinden, das Nahrung für unter 3 Jahre alte Kinder enthält. Die Begründung:

The Swedish decision follows a report last spring by the Swedish Chemicals Agency (KEMI) and the National Food Agency, which noted uncertainty in determining safe levels for low-dose exposure.

Auf der anderen Seite haben offenbar einige Länder in Brüssel reklamiert wegen des Französischen Entscheides in Sachen BPA:

On the French law, the Czech Republic, Spain, the Netherlands and the UK issued detailed opinions raising concerns about the creation of unjustified barriers between Member States.

Die Britische Nahrungsmittelbehörde berief sich in ihrer Einsprache auf frühere Einschätzungen der EFSA, BPA sei – kurz gesagt – in den derzeitigen Anwendungen unproblematisch. Derselben Meinung war unlängst die us-amerikanische FDA. Der Streit um die Chemikalie, bei dem sich Wissenschaft, Politik und Wirtschaft alle gegenseitig in den Haaren liegen, und in dem eine dicke Studie regelmässig die vorhergehende zu widerlegen sucht, dauert nun sicher schon weit über 10 Jahre. Die Fachliteratur ist äusserst umfangreich dazu (ein kleiner Ausschnitt). Dass z.B. aus vielen Blechbüchsenauskleidungen BPA tatsächlich in die Nahrung wandert, haben erst unlängst wieder Messungen im Auftrag einer Westschweizer Konsumentenorganisation ergeben. Das zeigt: Wer von Büchsennahrung die Finger lässt, kann – wenigstens beim Essen – um die Chemikalie einen Bogen machen.

FDA: BPA kann in US-Nahrungsmittelbehältern bleiben – anders als in Frankreich

Die US-Umweltschutzorganisation „Natural Ressources Defense Council“, NRDC, hatte 2008 bei der Food & Drug Administration, FDA, eine Petition eingereicht dafür, dass Bisphenol A, BPA, aus allem zu verschwinden habe, das mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommt. Gestern hat sich die FDA dazu geäussert: Sie sieht keinen Grund, auf die Forderung einzugehen (.pdf davon: FDA on BPA 300312). Die Reaktion des NRDC liegt bereits vor. Bei Nature bloggt Ivan Semeniuk darüber.
Passenderweise publiziert die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ einen ausführlichen Überblicksartikel zum Thema BPA.
In Oesterreich äusserte sich vergangene Woche die Umweltschutzorganisation „Global 2000“ zu einer ausführlichen Untersuchung, durchgeführt im Auftrag der EU, die verschiedene Varianten von Plastik-Schoppenflaschen daraufhin untersuchte, was generell daraus an Weichmachern etc. in die Schoppenmilch migriert – und die Säuglinge damit aufnehmen. Offenbar teilweise ein ziemlicher Chemikalien-Cocktail. Aus dem Abstract:

Results showed that bottles made of PP and silicones showed a greater number of substances in the migration solutions and in greater quantity. Chemicals from PP included alkanes, which could be found in >65% of the bottles at levels up to 3500 µg kg−1; and benzene derivatives in 17% of the baby bottles and found at levels up to 113 µg kg−1. Some substances were found on a regular basis such as plasticisers, esters and antioxidants (e.g. tris(2,4-di-tert-butylphenyl)phosphate, known as Irgafos 168. Some substances found were not included in the Community positive list, which means that those should not be found even in the first migration. Such substances included 2,6-di-isopropylnaphthalene (DIPN), found in 4% of the bottles at levels up to 25 µg kg−1, 2,4-di-tert-butyl phenol (in 90% of the bottles at levels up 400 µg kg−1). Moreover, bisphenol A (BPA) was detected and quantified in baby bottles made of PA, but limited to one brand and model specific (but labelled BPA free). Results for baby bottles made of silicone also indicated the presence of components, e.g. potentially coming from inks (benzophenone, diisopropyl naphtahalene – DIPN, which could come for example from the presence of instruction leaflets in the bottles). In the case of silicone, phthalates were also found in relevant concentrations, with levels for DiBP and DBP from the first migration test of 50–150 µg kg−1 and DEHP at levels 25–50 µg kg−1.

Die französische Nationalversammlung hatte am 12. Oktober 2011 mit 348 gegen 2 Stimmen ein Gesetz angenommen, das ab 2013 BPA in Lebensmittelbehältern für Kinder unter drei Jahren verbietet und die Chemikalie ab 2014 aus sämtlichen Lebensmittel-Verpackungen verbannt. Vor kurzem berichtete die Fachwebsite „Food Production Daily“ über eine Studie des US-Landwirtschaftsministeriums über die Folgen des französischen BPA-Verbotes („Proposed Bisphenol A ban in food packaging„) unter dem Titel: „French BPA ban will ‘jeopardise’ US exports – USDA„.