Erlenmatt-Nord: Und ewig rauscht die Autobahn

Es braucht einen baulichen Sondereffort, um die Lärmgrenzwerte am Nordende der Erlenmatt einzuhalten. Die Rampen der Nordtangente bekommen demnächst rund 700 Meter lange Lärmschutzwände verpasst. Exponierte Wohnungen lassen sich dennoch nur indirekt belüften.

(in redigierter Fassung am 12.6.2014 in der online-TagesWoche)

Erlenmatt Basel Schnappschüsse

In heissen Sommernächten bei offenem Fenster schlafen: Am Nordende der Erlenmatt, in den exponierteren unter den 174 Wohnungen des Blocks, den die Investmentgesellschaft «Patrimonium» auf das nördlichste Baufeld (G) stellt, wird das schwierig. Er ist auf drei Seiten umgeben von Autobahn, denn er befindet sich ziemlich genau im Zentrum des Halbkreises, den die Rampen der Nordtangente dort auf ihren Stelzen ziehen.

Laut Messtelle «Anschluss Wiese» des Bundesamtes für Strassen, unmittelbar beim Tunneleingang, wo die Autobahn unter den Riehenring taucht, verkehren darauf, beide Richtungen zusammengezählt, 60’000 bis 70’000 Fahrzeuge pro Tag. Tendenz: Steigend!

Erlenmatt Basel Schnappschüsse

Planungswerte nicht eingehalten

Berechnungen des Ingenieurbüros «Gartenmann Engineering», 2012 angestellt im Auftrag des baselstädtischen Amts für Umwelt und Energie (AUE), zeigen, dass auch mit 3,5 Meter hohen Lärmschutzwänden entlang der Autobahnrampen, die so genannten «Planungswerte» an den allermeisten Fassaden der geplanten Gebäude nicht eingehalten werden.

Das Erlenmatt-Areal hat der Kanton Basel-Stadt der so genannten «Empfindlichkeitsstufe III» zugewiesen. Das heisst, bei offenem Fenster sollte es tagsüber in der Fenstermitte maximal 60dB laut sein, in der Nacht 50dB. Diese Werte gelten bei jenem Fenster, das zur Belüftung der Räume dient. Die theoretischen Berechnungen von Gartenmann kommen an den Nordenden der teils erst geplanten, teils bereits in Bau befindlichen Häuser aber, trotz Lärmschutzwänden, auf Werte zwischen 67,9 dB und 57,3 dB am Tag und 61,9 dB und 50,4 dB in der Nacht. Insbesondere nachts werden die ankommenden Autobahngeräusche ergo noch zu laut sein.

Erlenmatt Basel Schnappschüsse

Eine Loggia gegen den Autobahnlärm

Darauf musste Bauherrin «Patrimonium» reagieren. Laut AUE «wird vorgesehen, dass die Räume über verglaste Loggien belüftet werden können». Eine Loggia vor der Wohnung mag ja ganz nett sein. Wenn sie in einer heissen Sommernacht aber geschlossen bleiben muss, weil’s sonst zu laut ist im Schlafzimmer, vergrault einem das die Freude daran. Matthias Nabholz, seit dem 1. Mai dieses Jahres Leiter des Amts für Umwelt und Energie, widerspricht. Die Loggiafenster dürfen auch offen sein, sodass «eine natürliche Belüftung» möglich sei. «Der Schalleinfall» werde aber «bis zum eigentlichen Lüftungsfenster reduziert».

Der Lärm von der Autobahn her wird also wohl, trotz Loggia, in so manchem Schlafzimmer des «Patrimonium»-Blocks zu hören sein, allerdings mit einer Lautstärke unterhalb des «Planungswertes». Andere Fenster, ausser jenen der Loggia und jenen zur Lüftung dahinter, lässt man in dem Block wohl besser geschlossen, denn der anbrandende Autobahnlärm wird dort an vielen Stellen über dem «Planungswert» liegen.

Erlenmatt Basel Schnappschüsse

Die Überbauung von «Patrimonium» auf Baufeld G wird aus zwei länglichen, zum Riehenring parallelen Flügeln bestehen, getrennt durch einen Innenhof. Der Westflügel, auf der Seite des Riehenrings, erhält 8 Geschosse und ist damit höher als alle anderen, bisher auf dem Areal geplanten Gebäude. Ausser in dessen Parterre ergeben dort die Berechnungen von Gartenmann für alle Etagen über dem «Planungswert» liegende Geräuschpegel an den nach Norden und nach Osten ausgerichteten Fassaden.

Unterschriften Städtebaulicher Rahmenvertrag

Vivico-Nachfolgerin bezahlt die Lärmschutzwände

Die Kosten für die zwischen 2,5 und 5,5 Meter hohen und insgesamt rund 700 Meter langen Lärmschutzwände, entlang der rechten Spur der Autobahnrampen, gehen zu Lasten der «Bautrag Infrastructure AG» in Muri bei Bern. Sie ist, nach verschiedenen Handänderungen auf der Erlenmatt in den letzten Jahren, die Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Bodenbesitzerin «Vivico». Im städtebaulichen Rahmenvertrag, den 2002 die damalige Baudirektorin Barbara Schneider für den Kanton Basel-Stadt mit der Deutschen Bahn und deren Immobilienverwalterin «Vivico Real Estate» unterzeichnet hatte, ist auf Seite 4 festgehalten, dass die «Finanzierung des Schallschutzes» «sei es durch Sanierung an der Quelle oder mittels Schallschutzmassnahmen auf dem Grundstück» von den Grundeigentümerinnen, resp. deren Nachfolgerinnen, getragen werden muss.

Die Baubewilligung für die Lärmschutzwände an den Rampen der Nordtangente liegt vor. Der Baubeginn ist, laut Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, «noch im 2014» geplant.

Erlenmatt Basel Schnappschüsse

Autobahnlärm und Zugsgerumpel

Als ob der Autobahnlärm von oben nicht schon reichen würde, führt der Tunnel der «Herzstück» genannten Zugsverbindung zwischen Badischem Bahnhof und Bahnhof SBB in der im «technischen Schlussbericht» favorisierten Linienführung genau unter Baufeld G hindurch. Ob also dereinst das dumpfe Rumpeln der Züge, à la Elsässerbahn unter der Strassbugerallee, im Block der «Patrimonium» periodisch den andauernden Autobahnlärm ergänzt, wird davon abhängen, ob dieses Milliardenprojekt realisiert wird.