Ein Blinder, der sieht – und Mutmassungen über Subliminals

Das Paper in Current Biology von heute, 23. Dezember 2008, heisst „Intact navigation skills after bilateral loss of striate cortex“. Hautpautorin ist Beatrice de Gelder. Co-Autor ist der klinische, experimentelle Neuropsychologe Alan Pegna in Genf. Das Paper beschreibt den Fall eines Patienten des Genfer Kantonsspitals, der innert zwei Wochen durch 2 Hirnschläge seine bewusste Sehfähigkeit objektiv vollständig verlor. Trotzdem kann er den Ausdruck eines Gesichtes erkennen und sich durch einen Hausgang voller Hindernisse bewegen. Alan Pegna, der mit dem Patienten arbeitete, beantwortet mir auf Französisch ein paar Fragen zu dem Fall, zu den Lehren, die er daraus zieht, und der Bedeutung dieser Erkenntnisse für das weite Feld der Forschung über den Einfluss, den optische Reize, deren wir uns nicht bewusst sind, auf uns haben.
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Oder alternativ: Direktlink zum Audio. U.a. Telepolis, Ars Technica und NPR (inkl. Video des Patienten, wie er durch den Gang schreitet) berichten ebenfalls über den Artikel in Current Biology.
Indirekt in den weiteren Zusammenhang gehört vielleicht auch dieses Paper von Ran Hassin:

Political thought and behavior play an important role in our lives, from ethnic tensions in Europe, to the war in Iraq and the Middle Eastern conflict, to parliamentary and presidential elections. However, little is known about how the individual’s political attitudes and decisions are shaped by subtle national cues that are so prevalent in our environment. We report a series of experiments that show that subliminal exposure to one’s national flag influences political attitudes, intentions, and decisions, both in laboratory settings and in ‘‘real-life’’ behavior.