FDA: BPA kann in US-Nahrungsmittelbehältern bleiben – anders als in Frankreich

Die US-Umweltschutzorganisation „Natural Ressources Defense Council“, NRDC, hatte 2008 bei der Food & Drug Administration, FDA, eine Petition eingereicht dafür, dass Bisphenol A, BPA, aus allem zu verschwinden habe, das mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommt. Gestern hat sich die FDA dazu geäussert: Sie sieht keinen Grund, auf die Forderung einzugehen (.pdf davon: FDA on BPA 300312). Die Reaktion des NRDC liegt bereits vor. Bei Nature bloggt Ivan Semeniuk darüber.
Passenderweise publiziert die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ einen ausführlichen Überblicksartikel zum Thema BPA.
In Oesterreich äusserte sich vergangene Woche die Umweltschutzorganisation „Global 2000“ zu einer ausführlichen Untersuchung, durchgeführt im Auftrag der EU, die verschiedene Varianten von Plastik-Schoppenflaschen daraufhin untersuchte, was generell daraus an Weichmachern etc. in die Schoppenmilch migriert – und die Säuglinge damit aufnehmen. Offenbar teilweise ein ziemlicher Chemikalien-Cocktail. Aus dem Abstract:

Results showed that bottles made of PP and silicones showed a greater number of substances in the migration solutions and in greater quantity. Chemicals from PP included alkanes, which could be found in >65% of the bottles at levels up to 3500 µg kg−1; and benzene derivatives in 17% of the baby bottles and found at levels up to 113 µg kg−1. Some substances were found on a regular basis such as plasticisers, esters and antioxidants (e.g. tris(2,4-di-tert-butylphenyl)phosphate, known as Irgafos 168. Some substances found were not included in the Community positive list, which means that those should not be found even in the first migration. Such substances included 2,6-di-isopropylnaphthalene (DIPN), found in 4% of the bottles at levels up to 25 µg kg−1, 2,4-di-tert-butyl phenol (in 90% of the bottles at levels up 400 µg kg−1). Moreover, bisphenol A (BPA) was detected and quantified in baby bottles made of PA, but limited to one brand and model specific (but labelled BPA free). Results for baby bottles made of silicone also indicated the presence of components, e.g. potentially coming from inks (benzophenone, diisopropyl naphtahalene – DIPN, which could come for example from the presence of instruction leaflets in the bottles). In the case of silicone, phthalates were also found in relevant concentrations, with levels for DiBP and DBP from the first migration test of 50–150 µg kg−1 and DEHP at levels 25–50 µg kg−1.

Die französische Nationalversammlung hatte am 12. Oktober 2011 mit 348 gegen 2 Stimmen ein Gesetz angenommen, das ab 2013 BPA in Lebensmittelbehältern für Kinder unter drei Jahren verbietet und die Chemikalie ab 2014 aus sämtlichen Lebensmittel-Verpackungen verbannt. Vor kurzem berichtete die Fachwebsite „Food Production Daily“ über eine Studie des US-Landwirtschaftsministeriums über die Folgen des französischen BPA-Verbotes („Proposed Bisphenol A ban in food packaging„) unter dem Titel: „French BPA ban will ‘jeopardise’ US exports – USDA„.

China dominiert den globalen „Schweinemarkt“

Die Fachsite „GlobalMeatNews“ publizierte am 22.3.12 einen ausführlichen Artikel über die Chinas Position in der weltweiten „Schweineproduktion“. Das Land dominiert diesen Sektor offenbar mit grossem Abstand:

Chinese pork production is now estimated at almost 52 million tonnes (mt). This continues the growth in production seen over the last 30 years. In 1980, production was around 10mt and, by 1990, had reached over 20mt. In comparison, the next biggest international producer is currently the US, with some 10mt. To re-emphasise the dominance of the Chinese industry, the EU-27 produces some 22mt and Brazil just 3mt.

52 Millionen Tonnen jährlich sind, bei einem geschätzten Durchschnittsgewicht bei der Schlachtung von 120kg, 433’333’333 Tiere. Bei einer durchschnittlichen Körperlänge von 150cm ist das jährlich eine (433E6*1,5) 650’000 Kilometer (!) lange „Schweinepolonaise“, die damit 16 und ein Viertel Mal um die Erde reicht! Ergo verschwindet in den chinesischen Schlachthäusern jeden Tag eine „Schweinepolonaise“ mit einer Länge von rund: 1’780 Kilometern!!! Die Zahl scheint mir so unglaublich gross, dass ich wünschte, ich hätte irgendwo einen Kommafehler gemacht. Aber ich find ihn nicht.

UPDATE 12.5.2013: Beim „Schweizer Bauer“ vom 16.3.2013 ist zu lesen:

Wie aus einem aktuellen Bericht des Landwirtschaftsattachés in Peking hervorgeht, rechnen die US-Marktbeobachter für 2013 mit einem Schlachtaufkommen von annähernd 711 Millionen Schweinen; zuvor war man davon ausgegangen, dass nur 690 Millionen Tiere an den Haken kommen würden. Die Schweinefleischproduktion wird nun auf 53,8 Mio. t geschätzt, das wären 2,8% mehr als im vergangenen Jahr erzeugt wurden.

711’000’000 Tiere mal, sagen wir, 180cm Körperlänge eines erwachsenen Tieres bei der Schlachtung = 1’279’800 Kilometer Schwein pro Jahr = 32 Mal um die Erde pro Jahr = Eine Schweinepolonaise von 3’506 Kilometern Länge verschwindet dieses Jahr pro Tag in den chinesischen Schlachthäusern! Das ist ziemlich genau die Länge der Strecke Hamburg – Bagdad! Jeden Tag, sieben Tage die Woche!

Wo ist mein Kommafehler?!?!

frei assoziiert: Muttermilch, microRNA und kindliche Lunge?

Der Schweizerische Nationalfonds berichtet heute in dieser Mitteilung über die Befunde einer Forschungsarbeit der Berner Sozial- und Präventivmedizinerin Claudia Kühni:

Im Vergleich zu Kindern, die keine Muttermilch erhalten haben, weisen Kinder, die während vier Monaten oder länger an der Brust gestillt worden sind, bessere Lungenfunktionswerte im Schulalter auf. Zu diesem Schluss gelangt eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie.
(…) Bei den 273 Kindern, deren Mütter an Asthma leiden, zeigt sich sogar, dass sich das Stillen nicht nur auf die Freiheit des Atmens, sondern auch auf die Grösse der Lunge auswirken könnte: Die Kinder hatten im Schnitt ein umso grösseres Atemzugvolumen, je länger sie gestillt wurden.
Aufgrund ihrer statistischen Auswertungen scheint es den Forschenden unwahrscheinlich, dass diese Wirkung nur auf die in der Milch enthaltenen Abwehrstoffe zurückzuführen ist. Diese reduzieren zwar die Häufigkeit von Atemwegsinfekten in den ersten Lebensjahren und könnten sich so positiv auf die Lungenfunktion auswirken, doch in der untersuchten Kohorte erklären sie den beobachteten Zusammenhang zwischen Stilldauer und Lungenfunktion nicht.
«Deshalb denken wir, dass auch ein direkter Effekt auf die Lunge besteht», sagt Kühni. Vielleicht enthält die Muttermilch hormonähnliche Substanzen, die das Wachstum und die Widerstandsfähigkeit der Lunge fördern. Oder vielleicht werden die Lungen beim Saugen an der Brust – was deutlich anstrengender ist als das Trinken aus der Flasche – mechanisch stimuliert. «Dies sind im Moment noch Spekulationen», sagt Kühni.(…)

Als ich das sah, ging mir durch den Kopf, was ich – eher zufällig – las während der Recherche zur Sendung Kontext mit dem Titel „Kann Pflanzenerbgut unsere Gene steuern?„: „microRNA as a new immune-regulatory agent in breast milk“ und „Immune-related MicroRNAs are Abundant in Breast Milk Exosomes„. Ob vielleicht die offenbar von der Mutter durch die Milch zum Kind übertragene microRNA mit eine Rolle spielt bei der Entwicklung der kindlichen Lunge? Nur so ein Gedanke. You never know…

UPDATE 13. Juni 2012: Vor einem Monat (hab’s leider erst jetzt bemerkt), meldete die ETH Zürich aus Anlass eines Grants der Gates-Foundation:

Bisher ging die Forschung davon aus, dass kleine RNS-Stücke, wie die miRNAs, in Zellen bleiben. Forscher aus der Gruppe von Bogdan Mateescu Professor, dem RNS-Spezialisten Olivier Voinnet, haben jedoch aufgezeigt, dass sich kleine RNS-Moleküle von Zelle zu Zelle fortbewegen und dadurch Informationen übertragen, also eine bestimmte Funktion über Zellgrenzen hinaus haben. «Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass dieser Mechanismus auch in Säugetieren existiert», sagt Mateescu.

Milch-Mikro-RNS unentbehrlich?

Der Verdacht, dass miRNAs auch in Säugern eine solche Funktion haben, nährt sich aus dem Umstand, dass die Zellen der Brustdrüsen microRNA in die Milch absondern, welche das Neugeborene samt der miRNA aufnimmt. Was, wie und wo diese Moleküle aber im kindlichen Magendarmtrakt wirken, ist unbekannt. «Klar ist nur, dass die Häufigkeit und die Eigenarten der „Milch-Mikro-RNA“ für mögliche Einwirkungen auf die Physiologie des Magendarmtrakts von Neugeborenen sprechen», sagt der Grantee. Diese «Milch-Mikro-RNAs» könnte vor allem direkt nach der Geburt wirken. Später im Leben und im Erwachsenenleben ist der Effekt wohl kaum mehr spürbar, sobald sich die normale Verdauung entwickelt hat.

Mateescu will deshalb seinen Grant dazu verwenden, um herausfinden, ob und welchen Einfluss miRNA auf das Neugeborene haben. Anhand von Versuchen an Zellkulturen und Tiermodellen will er aufzeigen, ob es möglich ist, dass beispielsweise Darmzellen miRNA aus der Milch aufnehmen können. Diese Experimente könnten die Grundlage für spätere klinische Studien am Menschen sein.

Der ETH-Forscher fragt sich deshalb auch, ob bestimmte microRNA für das Neugeborene nützlich oder gar unentbehrlich sind. Und demzufolge, ob es hilfreich sein könnte, Milchpulver mit bioaktiven microRNA zu ergänzen. Könnten diese gar eine Immunität gegen Krankheitserreger vermitteln? «Dies könnte relevant sein, um Kleinkindern, insbesondere in Entwicklungsländern, eine gesunde Entwicklung zu garantieren», sagt er.

Harmlos oder giftig: Der Streit um Bisphenol A BPA

In Einkaufsquittungen aus Thermopapier finden sich relativ hohe Konzentrationen der Chemikalie Bisphenol A (BPA). BPA wirkt im Tierversuch wie weibliches Geschlechtshormon. Nur wenige Sekunden Fingerkontakt mit den Quittungen reichen, um Spuren des Stoffs auf und teilweise in die menschliche Haut zu übertragen. Via das Recycling von Thermopapier gelangt die Chemikalie in WC-Papier und damit in die Umwelt. Die Hersteller von Thermopapieren sagen, BPA sei harmlos. Kritische Forscher und Umweltorganisationen drängen auf ein Verbot. Der Streit darum, ob BPA, ein elementarer Baustein auch vieler Kunststoffe, harmlos oder hochgiftig ist, beschäftigt Expertengremien weltweit. Eine Auslegeordnung.

So gesendet heute in Kontext auf DRS2

Uebrigens: Grad gesten hat die Europäische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit EFSA angekündigt, dass sie Anfang April ein Expertenmeeting abhält zum Thema BPA. Und auf Mai 2010 kündigt sie gleichzeitig ein neues Statement zu der Frage an.